Wildtierrettung – Hilfe für Wildtiere in Not
Ein verletzter Igel am Straßenrand, ein Jungvogel auf dem Gehweg oder ein Reh, das sich im Zaun verfangen hat: Wildtiere geraten schneller in Not, als man denkt. Viele Menschen möchten helfen – und sind unsicher, was richtig ist. Genau hier setzt Wildtierrettung an: mit ruhigem Vorgehen, dem passenden Wissen und dem Ziel, das Tier sicher zu versorgen, ohne es zusätzlich zu stressen oder zu gefährden.
Die Wildtierrettung erfordert besondere Erfahrung und Fachkenntnis und gehört zu den spezialisierten Einsatzbereichen der Tierrettung.
Was bedeutet Wildtierrettung?
Wildtierrettung umfasst das Auffinden, Sichern und die Erstversorgung von Wildtieren, die akut Hilfe benötigen. Dazu gehören unter anderem:
- verletzte Tiere nach Verkehrsunfällen (z. B. Igel, Fuchs, Reh, Hase)
- geschwächte oder unterkühlte Tiere (besonders im Winter oder nach Starkregen)
- Jungtiere, die scheinbar allein sind
- Tiere, die sich eingeklemmt, verfangen oder in Schächten und Kellern verirrt haben
- Notfälle durch Hitze, Trockenheit oder extreme Wetterlagen
Wichtig: Nicht jedes Tier, das alleine wirkt, ist tatsächlich hilflos. In der Wildtierhilfe entscheidet oft der richtige Blick auf die Situation.
Wildtier gefunden – die 3 wichtigsten Sofort-Schritte
1) Abstand halten und beobachten
Wildtiere sind keine Haustiere. Nähe bedeutet Stress, Stress kann lebensgefährlich sein. Beobachte das Tier zunächst aus sicherer Entfernung: Atmet es ruhig? Versucht es wegzukommen? Gibt es sichtbare Verletzungen? Liegt es apathisch da? Diese ersten Eindrücke helfen später enorm.
Bei Notfällen mit Wildtieren wird häufig die technische Tierrettung benötigt. In medizinischen Fällen unterstützt die medizinische Tierrettung.
2) Gefahrenstelle sichern
Wenn das Tier an einer Straße oder an einem riskanten Ort liegt, geht Eigenschutz vor. Stelle dich nicht selbst in Gefahr. Wenn möglich, sichere die Stelle (z. B. Warnblinker, Abstand, andere Personen informieren). Ein Tier zu retten ist wichtig – aber niemals um den Preis eines Unfalls.
3) Richtig handeln statt “gut gemeint”
Spontanes Füttern, falsches Aufnehmen oder hektisches Anfassen kann mehr Schaden anrichten als helfen. Besser: ruhig bleiben, Situation einschätzen und gezielt Unterstützung organisieren.
Wann braucht ein Wildtier wirklich Hilfe?
Diese Anzeichen sprechen häufig für einen Notfall:
- sichtbare Verletzungen (Blut, offene Wunden, hängende Flügel/Beine)
- das Tier liegt auf der Seite, reagiert kaum oder wirkt stark apathisch
- auffällige Atmung, Zittern, starke Unterkühlung
- Jungtier ruft dauerhaft, ist kalt oder offensichtlich geschwächt
- das Tier ist in einer Zwangslage (Zaun, Netz, Schacht, Keller, Teichabdeckung)
- Gefahr durch Hunde, Katzen, Verkehr oder Menschenmengen
Wenn du unsicher bist: lieber einmal fachkundig einschätzen lassen, bevor du handelst. Das gilt besonders bei Jungtieren.
Jungtiere: Oft kein Notfall – aber manchmal doch
Gerade im Frühjahr und Sommer werden vermeintlich “verlassene” Jungtiere gefunden. Häufig sind die Eltern in der Nähe und kehren zurück, sobald Ruhe einkehrt.
Typische Beispiele
- Jungvogel am Boden: Viele Jungvögel verlassen das Nest, bevor sie sicher fliegen. Sie werden weiterhin von den Eltern versorgt.
- Rehkitz im Gras: Rehkitze werden von der Mutter bewusst allein abgelegt. Das ist Schutzstrategie – die Ricke kommt regelmäßig zurück.
- Hasenjunges: Junghasen sitzen oft still und allein. Auch hier ist “allein” nicht automatisch “verlassen”.
Wann es kritisch wird: Wenn das Jungtier kalt ist, apathisch wirkt, Verletzungen zeigt, über längere Zeit ununterbrochen schreit oder wenn unmittelbare Gefahr besteht (z. B. Straße, Katze, Hund, Baustelle).
So sicherst du ein Wildtier, ohne es zu gefährden
Wenn ein Tier offensichtlich verletzt ist oder akut gefährdet wird, kann ein behutsames Sichern sinnvoll sein – aber bitte mit Bedacht:
- Ruhig bleiben: Hektik überträgt sich direkt auf das Tier.
- Schutz für dich: Handschuhe nutzen (z. B. Gartenhandschuhe). Wildtiere können beißen oder kratzen.
- Geeignetes Behältnis: Karton mit Luftlöchern oder eine Transportbox, ausgelegt mit einem Handtuch.
- Dunkelheit beruhigt: Box abdecken (Luftlöcher frei lassen). Dunkel = weniger Stress.
- Warm halten – aber richtig: Bei Unterkühlung vorsichtig Wärme anbieten (z. B. lauwarme Wärmflasche unter ein Handtuch), niemals direkt auf die Hitzequelle legen.
Wichtig: Wildtiere niemals in der Wohnung “laufen lassen”. Das erhöht Stress, Verletzungsrisiko und erschwert die sichere Übergabe.
Bitte nicht: Häufige Fehler in der Wildtierhilfe
- Falsches Futter geben: Brot, Milch, Katzenfutter oder “Vogelfutter” sind oft ungeeignet und können schwere Schäden verursachen.
- Wasser einflößen: Lebensgefährlich durch Verschlucken/Aspiration – besonders bei geschwächten Tieren.
- Zu viel anfassen: Stress kann Kreislaufprobleme auslösen.
- Jungtiere vorschnell mitnehmen: Häufig werden Tiere “gerettet”, die gar nicht in Not waren.
- Selbst behandeln: Hausmittel, Salben oder Medikamente ohne Fachwissen sind riskant.
Das Beste, was du in vielen Fällen tun kannst: sichern, beruhigen, warm und dunkel halten – und dann schnell in fachkundige Hände übergeben.
Welche Wildtiere brauchen besonders vorsichtige Hilfe?
Wildvögel
Vögel reagieren sehr sensibel auf Stress. Ein Flügelbruch, ein Anflugtrauma (z. B. gegen Glas) oder Unterkühlung sind häufige Notfälle. Wichtig ist eine sichere, dunkle Unterbringung und schnelle Abklärung.
Igel
Igel sind oft in der Dämmerung unterwegs. Tagsüber sichtbare Igel sind nicht automatisch krank, aber häufig ein Warnsignal. Verletzungen (z. B. durch Mähroboter), Parasitenbefall oder extreme Schwäche sind typische Gründe für Hilfe.
Reh, Wildschwein & Co.
Bei größeren Wildtieren gilt: Abstand halten. Sie können in Panik unberechenbar reagieren. Hier sollte die Sicherung und Rettung nur von erfahrenen Kräften durchgeführt werden.
Fledermäuse
Fledermäuse sind streng geschützt und benötigen sehr spezielle Betreuung. Wenn eine Fledermaus am Boden liegt oder am Tag offen hängt, ist das oft ein Notfall. Nicht mit bloßen Händen anfassen – Handschuhe nutzen und in eine kleine, gut belüftete Box setzen.
Was passiert nach der Sicherung?
Nach der Ersthilfe geht es darum, die passende weitere Versorgung zu ermöglichen. Je nach Situation kann das bedeuten:
- Übergabe an eine fachkundige Wildtierstation oder erfahrene Pflegestellen
- tierärztliche Erstversorgung bei Verletzungen
- professionelle Bergung bei Tieren in Schächten, Gruben oder Zäunen
- Abstimmung mit zuständigen Stellen bei größeren Wildtieren
Das Ziel ist immer: das Tier so schnell wie möglich zu stabilisieren und eine gute Chance auf Auswilderung zu schaffen.
Wildtierrettung heißt auch: Natur respektieren
Hilfe ist wichtig – aber Wildtiere sind Wildtiere. Sie brauchen Ruhe, minimale Berührung und fachgerechte Versorgung. Wer gut helfen möchte, hilft am besten strukturiert: Situation prüfen, richtig sichern, Stress reduzieren und kompetente Unterstützung hinzuziehen.
Kurze Checkliste: Das kannst du sofort tun
- Tier beobachten: verletzt, apathisch, in Gefahr?
- Eigenschutz beachten und Gefahrenstelle sichern
- Bei Bedarf: Handschuhe an, Tier in Karton/Box setzen
- Dunkel und ruhig lagern, Zugluft vermeiden
- Nicht füttern, nicht einflößen, keine Hausmittel
- Schnell fachkundige Hilfe organisieren

